Starke Partner: Gastbeitrag: Interessengemeinschaft Bauernhaus engagiert sich seit fast 40 Jahren: „Wir lieben alte Häuser – und natürlich ihr Holz!“



07/10/2012: Die Interessengemeinschaft Bauernhaus (IGB) engagiert sich seit vier Jahrzehnten für den Erhalt dörflicher Gebäude und leistet damit einen großen Beitrag zum Denkmalschutz in Deutschland. Da verwundert es nicht, dass die IGB auch seit Jahren die denkmal nutzt, um auf ihr umfassendes Engagement aufmerksam zu machen. Zur denkmal 2012 wartet die Interessengemeinschaft bereits zum achten Mal mit einem informativen Messestand auf.

Die Begeisterung für alte Häuser ist die große Gemeinsamkeit der rund 6.000 Mitglieder der Interessengemeinschaft Bauernhaus (IGB). Sie engagiert sich für dörfliche Gebäude wie Bauernhäuser, deren Nebengebäude sowie Landarbeiterkaten, städtische Ackerbürgerhäuser oder in der Feldflur gelegene Streusiedlungen. Die IGB versteht sich als Interessenvertretung für alte Häuser und deren Eigentümerinnen und Eigentümer, aber auch für Menschen, die alte Häuser einfach schön finden, ohne eines zu besitzen. IGB-Mitglieder machen kein Hehl aus ihrer Begeisterung für die alten Häuser als lebendige Kulturzeugen. Sie wollen andere Menschen ermuntern, diese Bauten wieder mit jungem Leben zu füllen und sich beherzt mit deren Geschichte, Krummheit und Charme auseinander zu setzen. Die IGB unterstützt ihre Mitglieder mit ihrem Netzwerk auf Gegenseitigkeit beratend praktisch vor Ort und bietet vielfältiges Fachwissen. Regionale Exkursionen geben Einblicke in den Bestand und die Kultur alter Häuser in Deutschland. Außerdem setzt sich der Verein bei den relevanten Entscheidungsträgern in der Politik und in der Öffentlichkeit für den Erhalt und die Pflege alter Bausubstanz ein. Die zweimonatlich erscheinende Zeitschrift „Der Holznagel“ greift nachhaltig und detailreich Themen rund um alte Häuser, ihren Wert, ihre Geschichten, ihren Erhalt und natürlich auch das Thema Holz auf. Die Homepage bietet neben aktuellen Informationen mehrere IGB-relevante Internetbörsen sowie ein Fachforum.


Foto: „Vorher – nachher“. Haus mit Wirtschafts- und Kammerfachgiebel in Bissendorf bei Osnabrück. © Interessegemeinschaft Bauernhaus/Erhard Pressler

Holz offenbart Informationen
Ein zentraler Bestandteil in fast allen (alten) Häusern ist Holz. In Fachwerkbauten hat es eine tragende Funktion, es ist jedem Dachstuhl verbaut und auch ursprüngliche Fenster sind daraus gefertigt. Holz findet sich in Türen, Schwellen, Treppenhäusern oder Dielenböden. In Häusern und Nebengebäuden wie Scheunen oder Schuppen verbautes Holz offenbart auch eine Menge Informationen, wenn jemand sie richtig lesen kann. Für die IGB sind in Sachen Holz vor allem drei große Bereiche relevant: die Dendrochronologie, die Analyse und Behandlungen von Holz zerstörenden Organismen wie Hausschwamm und Co. sowie die Qualität und Haltbarkeit von Bauholz, die sehr viel mit Fachkenntnissen und Produktionsbedingungen zu tun haben.

Die Dendrochronologie ist eine wissenschaftliche Datierungsmethode, mit deren Hilfe Bäume verschiedenen Wachstumsphasen zugeordnet werden können. Mit einem speziellen Bohrer wird dem verbauten Holzteil ein Bohrkern entnommen. Anschließend erfolgt im Labor die Bestimmung, wann genau der Baum gefällt wurde. Da früher Holz ohne lange Lagerung schnell verbaut wurde, fallen solche Datierungen ziemlich exakt aus. Aufgrund der Methode muss manchmal sogar die Geschichte des menschlichen Hausbaus umgeschrieben werden. So gilt beispielsweise Hof Grube im münsterländischen Lüdinghausen als wissenschaftliche Sensation. Es ist das älteste bekannte Bauernhaus in Vierständerkonstruktion in Westfalen. Bisher wurde angenommen, dass diese norddeutsche Bauernhausform viel jünger ist und ihren Ursprung im Weserraum hat. Das Haupthaus des Anwesens ist auf das Jahr 1517 datiert, die Wurzeln gehen, wie Funde mittlerweile belegen, bis ins Jahr 1000 zurück.

Holzschädlinge & Co.
„Verbautes Holz“ wird immer
wieder von holzzerstörenden Pilzen oder Insekten befallen. Dieser Befall korrespondiert meist mit dem Feuchtigkeitsgehalt des Holzes, da angreifende Pilze und die meisten Insekten einen Wassergehalt von wenigstens 20 Prozent benötigen. Ab 30 Prozent warten unzählige Schädlinge des Bau- und Werkholzes darauf, das verbaute Holz zu verstoffwechseln. (Thinius + van der Zande 2011) Der echte Hausschwamm (Serpula lacrymans) oder der Hausbock (Hylotrupes bajulus) beispielsweise können eine ernste Gefahr für Gebäude darstellen. Leider werden solche Holzzerstörer häufig zu spät entdeckt. Von der schnellen und exakten Analyse hängen die weitere Behandlung und oft eine Abwendung des Totalschadens ab. Deswegen ist es für Menschen, denen ein altes Bauernhaus oder ein anderes Haus mit hohem Holzanteil gehört, wichtig, sich entweder mit der Materie auszukennen oder die richtigen Fachleute zu konsultieren. Dasselbe gilt für Kaufinteressierte. Der IGB gehören einige hochkarätige Holzspezialistinnen und –spezialisten an. 2011 veröffentlichten beispielsweise Markus Thinius und Katharina van der Zande im „Holznagel“ ein zweiteiliges Fachdossier zum Thema Holzschutz (Nr. 4 + 5/2011).

Handarbeit
Es ist immer wieder verwunderlich, warum manche verbaute Hölzer Hunderte von Jahre halten, während andere relativ schnell kaputt gehen. Sehr wichtige Kriterien hierbei sind entsprechende Fachkenntnisse und die Produktionsbedingungen. Das meiste Holz in der modernen Industriegesellschaft wird im Sägewerk über große Sägen gezogen, nicht sehr lange gelagert und dann verbaut. Dies führt häufig zu mäßiger Qualität, das Holz reißt oder wird schnell befallen. In früheren Jahrhunderten geschlagenes Holz wurde so gut wie immer mit Sägen und Äxten per Hand von Fachleuten bearbeitet. Das Wissen um solche Zusammenhänge sowie die entsprechenden handwerklichen Techniken werden aus wirtschaftlichen Gründen kaum noch angewendet. Deshalb gibt es innerhalb der IGB das Credo, gerade solche alten Techniken zu fördern oder in Kursen weiterzugeben.

Gastbeitrag von Michaela Töpfer, Öffentlichkeitsreferentin der IGB

Messestand Halle 2, Stand IF02


weiterführende Links zu diesem Thema:
> www.igbauernhaus.de


(Quelle: Interessengemeinschaft Bauernhaus (IGB))



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> www.igbauernhaus.de

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